Schreib klar und verständlich - Bernhard Jodeleit
Schriftzug auf einer Tafel mit dem Text: "Happiness is simple when you keep it simple".

Schreib klar und verständlich

Deine Texte müssen auf den Punkt kommen. Viele Beiträge strotzen vor Schachtelsätzen, Passivkonstruktionen und Blabla. Klar: Ein Text mit langen Sätzen klingt intellektueller. Aber bringt es dich zum Ziel? Nein. Denn Leser schenken dir nur kurz ihre Aufmerksamkeit.

So verlierst du die Aufmerksamkeit deines Publikums

Am Bildschirm lesen sich Texte schlechter als auf Papier oder E-Paper. Daher verlierst du rasch das Interesse deines Publikums, wenn du zu kompliziert schreibst.

Ich weiß, wovon ich rede. Denn ich bin Sprachenmensch. In meiner Jugend schrieb ich gern Elaborate, die meine Lehrer beeindruckten. Maximale Punktzahl in der gymnasialen Oberstufe: hatte ich im Abonnement. Am Ende gab’s einen Preis für das beste Abitur in Deutsch.

Kurze Sätze sind leichter übersetzbar

Lese ich mir heute mein Fachbuch aus dem Jahr 2010 durch, erkenne ich zwar meinen Schreibstil wieder. Doch ich schreibe heute anders. Grund: Meine Texte sind fast ausschließlich fürs Internet gedacht. Zudem übersetze ich das Geschriebene oft ins Englische und nutze dazu die KI von “DeepL”. Das ist ein faszinierender Dienst, dessen Übersetzungsqualität einsame Spitze ist.

Dieser Prozess führte bei mir zu einem Umdenken. Ich stellte fest: Schreibe ich viele lange Sätze, bereitet die Nachbearbeitung der maschinellen Übersetzung viel mehr Arbeit. Obwohl DeepL einen hervorragenden Job macht, war ich mit der Qualität des Ergebnisses auf Englisch unzufrieden.

Diese App öffnet dir die Augen für überkomplexe Sprache

So begann ich, eine weitere App zu nutzen, um die englischen Texte zu optimieren: die Hemingway App. Das öffnete mir die Augen. Meine Texte waren voller bunter Markierungen. Grund: Die Artikel enthielten zu viele Passivkonstruktionen, Fremdworte und überlange Sätze.

Dass sich so etwas wie ein Schreibstil im mittleren Alter noch ändert, passiert selten. In meinem Fall ist das so. Warum soll ich intellektuell klingen, wenn ich alternativ verständlicher schreiben kann? Was ist für den Pfau wichtiger: Den ganzen Tag mit aufgeschlagenem Pfauenrad herumlaufen? Oder etwas zu essen zu finden? Müssen sich meine Texte lesen wie Franz Kafka, bei dem ich am Satzende den Anfang vergessen habe? Kein Zufall, dass ich eben bei einer kurzen Recherche lese: Kafka lässt sich auch schlecht übersetzen.

Online-Texte für Reichweite gewinnen keine Literaturpreise

Es gibt genug Platz für toll formulierte Texte mit langen Sätzen. Kolumnen. Meinungsbeiträge. Wissenschaftliche Texte. Beim Aufbau von Online-Reichweite geht es aber nicht um Literaturpreise. Wichtiger ist es, auf den Punkt zu kommen. Zu erreichen, dass deine Leser bis zum Schluss dabei bleiben. Am Ende womöglich noch den begehrten Klick auf deine Handlungsaufforderung zu erreichen, die sogenannte Conversion.

Selbstversuch: Prüf die Komplexität deiner Texte

Mach mal den Selbstversuch! Übersetze einen deiner Texte mit DeepL ins Englische. Dann google nach der Hemingway App und kopiere deinen Text dort in den Editor. Vielleicht gibt das dir auch einen Impuls. Mich hat es bescheidener und leserorientierter gemacht.

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